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Attischer Seebund
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Der Attische Seebund (auch Delisch-Attischer oder Attisch-Delischer Seebund) war ein BĂŒndnissystem zwischen Athen und zahlreichen Poleis in Kleinasien und auf den vorgelagerten Inseln. Die Originalbezeichnung des Seebunds lautete: âDie Athener und ihre Alliiertenâ (altgriechisch ÎżáŒ± áŒÎžÎ·ÎœÎ±áżÎżÎč Îșα᜶ ÎżáŒ± ÏÏΌΌαÏÎżÎč). Er wurde als Folge der Perserkriege geschaffen, die 480 v. Chr. durch den Sieg der verbĂŒndeten Griechen unter FĂŒhrung Athens in der Seeschlacht bei Salamiscite-ref-1[1] vorentschieden worden waren.
Die GrĂŒndung 478/77 v. Chr. diente dem Ziel, die Perser kĂŒnftig von der ĂgĂ€is mit ihren griechisch besiedelten Inseln und Randzonen fernzuhalten und wichtige Seehandelswege zu schĂŒtzen. Die Athener hatten dabei in militĂ€rischer und organisatorischer Hinsicht von vornherein eine gewisse FĂŒhrungsrolle, die sie im Zuge ihrer innergesellschaftlichen demokratischen Umgestaltung zu einer erdrĂŒckenden Vormachtstellung ausbauten.
WĂ€hrend die persische Bedrohung zur Jahrhundertmitte weitgehend gebannt schien, wurde das von Athen beherrschte Seereich im Laufe des 5. Jahrhunderts v. Chr. zu einer wachsenden Herausforderung fĂŒr die griechische Landmacht Sparta und fĂŒr den ihr angeschlossenen Peloponnesischen Bund. Die RivalitĂ€t der beiden griechischen GroĂmĂ€chte mĂŒndete schlieĂlich in den Peloponnesischen Krieg, der sowohl die hĂ€rteste AusprĂ€gung der athenischen Herrschaft ĂŒber die ihr unterworfenen Seebundmitglieder brachte als auch â wegen Athens Niederlage gegen Sparta â die Auflösung des Ersten Attischen Seebunds.
Die NeugrĂŒndung eines Attischen Seebunds 379/78 v. Chr. lĂ€sst erkennen, dass die damit verbundenen Schutzfunktionen gerade bei kleineren Bundesgenossen-Poleis weiterhin geschĂ€tzt wurden. Allerdings war Athens FĂŒhrungsrolle nun auch deutlich zurĂŒckgenommen und entsprach seiner insgesamt geschwĂ€chten Stellung. Der Aufstieg Makedoniens zur griechischen GroĂmacht minderte zudem Athens Einfluss in der ĂgĂ€is und begĂŒnstigte den Abfall von Bundesgenossen. Die Niederlage Athens und seiner VerbĂŒndeten in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. gegen die Makedonier bedeutete das Ende des Zweiten Attischen Seebunds.
Contents
âą Siehe auch
âą Quellen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Die Entstehung des Ersten Attischen Seebunds
Nach der persischen Niederlage in der Schlacht von Plataiai 479 v. Chr. und dem RĂŒckzug der Perser vom griechischen Festland setzte eine griechische Bundesflotte unter FĂŒhrung des Spartaners Pausanias im nordöstlichen ĂgĂ€israum nach und eroberte im Jahr darauf Byzantion. Pausaniasâ hochfahrender FĂŒhrungsstil und seine mangelnde Bereitschaft, die Schutzinteressen der kleinasiatischen griechischen Poleis zu gewĂ€hrleisten, nutzten die Athener dazu, sich nun ihrerseits die FlottenfĂŒhrung antragen zu lassen, wĂ€hrend die Spartaner ihre VerbĂ€nde abzogen.cite-ref-2[2]
Ein VerteidigungsbĂŒndnis gegen Persien
Der Seebund löste den zur Abwehr der Perser gegrĂŒndeten Hellenenbund nicht ab, dieser existierte weiterhin. Allerdings ĂŒbernahm der neugegrĂŒndete Bund nun die Aufgabe, die von der Herrschaft Persiens befreiten griechischen StĂ€dte dauerhaft zu schĂŒtzen. Sparta war an einer Ausweitung des Krieges nach Kleinasien nicht interessiert und wollte sich auf die Verteidigungen des griechischen Kernlandes beschrĂ€nken. Somit fiel die Aufgabe der Konsolidierung der Freiheit der ionischen StĂ€dte in Kleinasien nun Athen und seinen Bundesgenossen zu. Das Interesse der an den KĂŒsten Kleinasiens groĂteils im Zuge der Griechischen Kolonisation angesiedelten Griechen an einem dauerhaften Schutz vor dem Zugriff der persischen GroĂmacht war eine stabile GröĂe bei der Konstituierung des Seebunds, hatten doch die den Perserkriegen vorangegangenen Querelen ebenfalls bei den ionischen Poleis Kleinasiens ihren Ausgang genommen â und mit Athens Parteinahme an ihrer Seite die persischen VorstöĂe nach Griechenland ausgelöst. FĂŒr die Inselgriechen in der ĂgĂ€is und insbesondere fĂŒr das zum Teil auf Lebensmittelimporte angewiesene Athen ging es aber zusĂ€tzlich darum, die Seewege im ĂgĂ€is-Raum gegen Ăbergriffe zu sichern, damit der Handel ungestört blieb und entwickelt werden konnte.cite-ref-3[3]
Dies setzte den Bau und die Unterhaltung groĂer FlottenverbĂ€nde voraus, wozu hauptsĂ€chlich Athen in der Lage war. Eine wichtige finanzielle Rolle spielten dabei die SilbervorrĂ€te in den Minen von Laurion: âDer extensive Bergbau lieferte die Ressourcen fĂŒr den wirtschaftlichen und damit auch fĂŒr den politischen und militĂ€rischen Aufstieg Athens im 5. Jahrhundert.â Die fĂŒr die Silbergewinnung benötigten Bergbauspezialisten warb man ab von den schon lĂ€nger betriebenen Silberminen in Nordgriechenland.cite-ref-4[4] Dass die Athener die militĂ€rische Hauptlast des Bundes zu tragen haben wĂŒrden und dass ihnen das Kommando zustand, war folglich unumstritten. Die Bundesgenossen wĂŒrden ihrerseits mit finanziellen BeitrĂ€gen oder durch die Stellung von Schiffen dem Bund ihren Tribut entrichten und die Athener entlasten.
Von einem ausgearbeiteten Vertragswerk zur GrĂŒndung des Bundes ist nichts ĂŒberliefert.cite-ref-5[5] Die zeitgenössische Bezeichnung fĂŒr dieses BĂŒndnis lautete: âDie Athener und ihre VerbĂŒndetenâcite-ref-6[6]. Vertragliche Bindungen bestanden wohl im Wesentlichen jeweils zwischen Athen und den einzelnen Bundesgenossen-Poleis und wurden in Verbindung mit Schwurhandlungen unbefristet geschlossen. Symbolisch in die See versenkte Metallklumpen bĂŒrgten fĂŒr die Nachhaltigkeit des Bundes: Solange sie nicht auftauchten, sollte er fortbestehen.cite-ref-7[7]
AnfÀngliche Organisationsstrukturen
Der Bund umfasste als Symmachie eine Vielzahl Poleis auf dem griechischen Festland, in Westkleinasien und in Thrakien sowie zahlreiche Ă€gĂ€ische Inseln. Mittelpunkt und Versammlungsort des Seebunds war fĂŒr nahezu ein Vierteljahrhundert nicht Athen, sondern die Kykladen-Insel Delos. Dort tagte mindestens einmal jĂ€hrlich die Bundesversammlung (Synhedrion), und im dortigen Apollon-Tempel wurden die gemeinsamen Finanzmittel des Bundes aufbewahrt. Der Gott, dem sich der Seebund ursprĂŒnglich unterstellte, war somit der delische Apollon.
In der Bundesversammlung herrschte von der gröĂten bis zur kleinsten Mitgliedspolis nominell Gleichberechtigung: Jede verfĂŒgte ĂŒber nur eine Stimme bei der Beschlussfassung. Doch gelang es Athen im Synhedrion wohl in der Regel, Mehrheiten fĂŒr die eigenen VorschlĂ€ge bei den BĂŒndnern zu finden.cite-ref-8[8] In der Kompetenz der Bundesversammlung dĂŒrfte sowohl die Sanktionsgewalt beim Abfall von Bundesgenossen gelegen haben als auch die Kontrollfunktion im Hinblick auf die rechtmĂ€Ăige Tributveranlagung der Seebundmitglieder.cite-ref-9[9]
Als Gesamtsumme der jĂ€hrlichen BeitrĂ€ge wurden ursprĂŒnglich 460 Talente festgesetztcite-ref-10[10]. Dies lag noch unter der Summe, die allein von den GriechenstĂ€dten Kleinasiens vormals an die Perser abzufĂŒhren gewesen war.cite-ref-11[11] Mit der Tributpflichtigkeit zu verrechnende eigene Schiffe stellten die Inseln Thasos, Naxos, Lesbos, Chios und Samos. Die kleineren Poleis, die wegen der fĂŒr Schiffbau und Besoldung der Mannschaften anfallenden Kosten dazu nicht in der Lage waren, wurden gemÀà ihrer LeistungsfĂ€higkeit anteilig zu Zahlungen verpflichtet. Solche langfristig ausgerichtete Organisation stellte fĂŒr griechische VerhĂ€ltnisse eine Neuerung dar; im Peloponnesischen Bund gab es nur anlassbezogene Zahlungen.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]
Athens FĂŒhrungsrolle
Die zur militĂ€rischen FĂŒhrung des Seebunds berufenen Athener hatten von Anbeginn nicht nur das Gewicht der groĂen eigenen Schiffsflotte und der Operationsleitung zur See durch athenische Strategen auf ihrer Seite, sondern sie stellten mit Aristides auch den vielfach als gerecht gelobten Verantwortlichen fĂŒr die ursprĂŒngliche Tributveranlagung. AuĂerdem kamen alle zehn Verwalter (Hellenotamiai) des mit den finanziellen Beitragslasten (ÏÏÏÎżÎč) der Mitglieder gebildeten delischen Bundesschatzes aus Attika, ohne dass dies erkennbar AnstoĂ erregt hĂ€tte.
Zur militĂ€rischen trat also die organisatorische FĂŒhrung Athens, verbunden mit entsprechender politischer AutoritĂ€t, die auch in der Bundesversammlung durchschlug. Unter den verbĂŒndeten Poleis waren viele so klein, dass sie sich in ihrem Umfeld ohnehin kaum unabhĂ€ngig hĂ€tten behaupten können; so mochte ihnen die Obhut des ferneren Athen vorteilhaft erscheinen.cite-ref-14[14] Einerseits Gleicher unter Gleichen war Athen damit schon von Anbeginn der Hegemon des Attischen Seebunds, die unangefochtene FĂŒhrungsmacht.
Zwischen 469 und 466 v. Chr. errang der Seebund am Eurymedon entscheidende Siege ĂŒber Flotte und Heer des persischen GroĂkönigs, womit die persische Gefahr gebannt schien und die Notwendigkeit des Bundes aus Sicht der Tributpflichtigen in Frage gestellt wurde. Der Abfall von Thasos, den die Athener 465â463 v. Chr. mit der Belagerung der Insel beantworteten, förderte mit der Repression auch die Unbeliebtheit der Athener bei den Bundesgenossen und steigerte verschiedentlich den Unmut ĂŒber die Bindung an die Hegemonialmacht.
Umbau zum Attischen Seereich
Bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts ging die Bedrohung von Seebundmitgliedern durch die GroĂmacht Persien zurĂŒck, zumal nach dem Kalliasfrieden von 449 v. Chr. (die HistorizitĂ€t dieser Friedensvereinbarung ist allerdings umstritten). Dadurch verschĂ€rfte sich fĂŒr die Athener das Problem, den Bund zusammenzuhalten, auf den sie die eigenen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Strukturen mehr und mehr ausgerichtet hatten.
Machtkonzentration gegen Loslösungsbestrebungen
Unter athenischer Hegemonie verloren die ĂŒbrigen Seebundmitglieder die Möglichkeit zu selbstĂ€ndiger AuĂenpolitik und KriegfĂŒhrung und waren zunehmend der attischen Initiative auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Zahl der BĂŒndnispartner, die ĂŒber eigene Schiffe verfĂŒgten, ging weiter zurĂŒck, die Beitragsveranlagung in Geld wurde fast zur Regel. Kam es wie in Naxos und Thasos zum Abfall einzelner Poleis vom Bund, so standen diese isoliert der mĂ€chtigen athenischen Flotte gegenĂŒber, der sie sich mit der Folge harter StrafmaĂnahmen schlieĂlich ergeben mussten. Die KĂŒstenstĂ€dte waren oft ohne Befestigungsanlagen zur See hin. StĂ€dte, die verdĂ€chtigt wurden, einen Abfall vom Seebund zu planen, wurden gezwungen, existierende Befestigungen einzureiĂen. Auch in Friedenszeiten lieĂ Athen sechzig Schiffe auf monatelangen Ăbungs- und Ăberwachungsfahrten zwischen Festland und Inseln kreuzen. Hinzu kam ein Signal- und Nachrichtensystem. Athen beherrschte auf diese Weise die gesamte ĂgĂ€is.cite-ref-15[15]
Zu den von Athen ĂŒber abtrĂŒnnige BĂŒndner verhĂ€ngten StrafmaĂnahmen gehörte auch die Auslieferung der zum Zeitpunkt des Abfalls noch existierenden Flotte. Fortan mussten auch solche StĂ€dte ihrer Tributpflicht durch Geldzahlungen nachkommen. Nur Athen und eine Handvoll anderer Poleis verfĂŒgten folglich noch ĂŒber eine eigene Seestreitmacht (zum Beispiel Samos, spĂ€ter nur noch Chios und Lesbos). Samos, das eigenmĂ€chtig militĂ€risch gegen das unter dem Schutz Athens stehende Milet vorging, wurde nach energischem Widerstand erobert, seine Flotte vernichtet, seine Hauptstadt zerstört und deren Bewohner in die Sklaverei verkauft.
Der Kampf gegen die Perser fĂŒhrte die Athener bis nach Ăgypten, wo sie etwa sechs Jahre lang einen antipersischen Aufstand unterstĂŒtzten, 454 v. Chr. schlieĂlich einer persischen Streitmacht unterlagen und dabei neben 80â100 Trieren mehrere tausend Mann verloren.cite-ref-16[16] Dieser Schock hatte zur Folge, dass man die Seebundkasse wegen eines angeblich drohenden persischen Zugriffs darauf von Delos nach Athen ĂŒberfĂŒhrte, das nun auch in reprĂ€sentativer Hinsicht zum Zentrum des Seebunds wurde. Aus Sicht der Athener bedeutete die ĂberfĂŒhrung aber auch, dass die Kasse vor dem Zugriff abtrĂŒnniger BĂŒndner ggf. geschĂŒtzt war und dass sie die Gelder umgekehrt unmittelbar zur VerfĂŒgung hatten.cite-ref-17[17]
454 v. Chr., das Jahr des Transfers der Bundeskasse nach Athen, war zugleich Veranstaltungsjahr fĂŒr das im vierjĂ€hrigen Turnus stattfindende GroĂe PanathenĂ€ische Fest, ein Ereignis, bei dem stets auch das VerhĂ€ltnis zwischen KoloniegrĂŒndungen und Mutterstadt besonders gepflegt und bekrĂ€ftigt wurde. Die VerbĂŒndeten pflegten dabei ihre Bundestreue zu beweisen, indem sie kleinere Opfergaben wie eine Kuh und eine RĂŒstung zum Fest mitbrachten. Dann durften sie an der groĂen Prozession zum Athena-Heiligtum auf der Akropolis teilnehmen. Dies galt von nun an fĂŒr alle Bundesgenossen Athens: eine wenig dankbar angenommene, zweifelhafte Ehre allerdings, da ja die Beitragszahlungen weiter geleistet werden mussten.cite-ref-18[18]
Athen als Zentrum des Bundes
Die ĂberfĂŒhrung der Seebundkasse nach Athen war AnstoĂ fĂŒr weitere tiefgreifende Ănderungen der Organisation des Bundes. Die Bundesversammlung als Beschlussorgan des Bundes entfiel kĂŒnftig; an die Stelle des Synhedrions trat die Athener Volksversammlung (Ekklesia), die nun kraft eigener Machtvollkommenheit auch ĂŒber alle Bundesangelegenheiten entschied. Als Legitimationsgrundlage dafĂŒr diente der fingierte Koloniestatus sĂ€mtlicher BĂŒndner. Man betonte nun die Verwandtschaft von Athenern und Ioniern und gab vor, dass die kleinasiatischen ionischen StĂ€dte durchweg von Athen gegrĂŒndet worden seien; der Status einer athenischen Apoikia wurde aber auch auf alle anderen Bundesgenossen ausgedehnt.cite-ref-19[19]
Die Rechtsaufsicht ĂŒber das Tributwesen und die einzelfallbezogene Regelung der Tributpflicht lag fortan ebenfalls allein in HĂ€nden der Athener, die nun auch die Gliederung des Seebundgebietes in unterschiedliche Tributbezirke vornahmen. Mehr und mehr untergruben sie nach Kagan die Autonomie der Seebundmitglieder:cite-ref-20[20]
âSie zwangen die Bundesgenossen, athenische Gewichte, MaĂe und MĂŒnzen zu ĂŒbernehmen, und beraubten sie durch SchlieĂung ihrer lokalen MĂŒnzen eines manifesten Symbols ihrer SouverĂ€nitĂ€t und UnabhĂ€ngigkeit. Sie verschĂ€rften die Bestimmung fĂŒr die Eintreibung und Ablieferung der Tributzahlungen und setzten Athen als Gerichtsort fest, falls wegen Verletzung der Bestimmungen geklagt wurde.â
Sowohl die Seebundabgaben der BĂŒndner als auch ihr Handel mit Athen waren durch die MĂŒnzgesetzgebung Athens ganz auf die Interessen der FĂŒhrungsmacht ausgerichtet. Athen war nun nahezu einziger Absatzmarkt im Bereich des Seebunds fĂŒr Schiffbauholz, Eisen, Kupfer, Flachs und Wachs; âes war der wichtigste und unentbehrlichste Umschlagplatz fĂŒr die GĂŒter der ganzen damaligen, zum Teil sogar auĂergriechischen Welt, so daĂ die StĂ€dte gezwungen waren, ihren Handel immer mehr auf Athen auszurichten. DarĂŒber hinaus gab es auch athenische Handelsniederlassungen, Emporia, im Seebundgebiet, auf die Athen ebenfalls den Handel zu lenken wuĂte.âcite-ref-schuller72-21-0[21]
Die mit der Verschiebung des Seebundzentrums von Delos nach Athen verbundene Umorientierung betraf nicht unwesentlich auch die religiöse Ausrichtung. Statt des panhellenischen Apollon wurde nun die Stadtgöttin der FĂŒhrungsmacht, Athene, zum zentralen Kultobjekt des Bundes. Der Tempelkasse der Athene kam ein Sechzigstel des jeweiligen Tributs zu, und auf diesen Teil, die AparchĂ©, kam es den Athenern besonders an; denn er war es, den sie auf Steintafeln gesondert schriftlich festhielten. Die VerfĂŒgung ĂŒber diese Mittel lag in den HĂ€nden der Athener Schatzmeister, von denen die Stadt sie bei Bedarf entleihen konnte.cite-ref-22[22] Mochten die BeitrĂ€ge einzelner BĂŒndner in Verhandlungen mit den Athenern aus bestimmten GrĂŒnden gelegentlich ermĂ€Ăigt oder erlassen werden: Die AparchĂ©, die Weihegabe fĂŒr die Göttin Athene, war auch in solchen FĂ€llen unerlĂ€sslich.cite-ref-23[23] Und die Anwesenheit aller Seebundmitglieder beim PanathenĂ€en-Fest wurde zur Neuveranlagung der Pflichttribute fĂŒr die nachfolgende Vierjahresperiode genutzt.cite-ref-24[24]
Als VerbĂŒndete (ÏÏΌΌαÏÎżÎč), aus denen im Athener Sprachgebrauch mit der Zeit Unterworfene (áœÏÎźÎșοοÎč) wurden, konnten die Seebundmitglieder mit der attischen Seeherrschaft unterschiedliche Interessen verbinden, beispielsweise die Sicherheit der Seefahrt oder auch die von Athen zu Handelszwecken vorgenommene Vereinheitlichung der MaĂe und Gewichte, trotz der damit verbundenen Aufgabe eigener PrĂ€gungen. Die athenische Flotte, nun die ĂgĂ€is beherrschend, bot auch im Frieden eine etwa 60 Schiffe umfassende Flotte auf, die zu Ăbungs- oder Ăberwachungszwecken jedes Jahr monatelang in der ĂgĂ€is kreuzte. Die Ăberwachung wurde durch ein Signal- und Nachrichtensystem begĂŒnstigt; allein auf sich gestellt vermochte kein Mitglied des Bundes etwas gegen Athen auszurichten.cite-ref-25[25]
Die Bundesgenossen: vielfÀltig Unterworfene
Der Zwangscharakter der attischen Vorherrschaft im Seebund zeigte sich immer dann besonders deutlich, wenn einzelne Bundesgenossen von Athen abfielen. Denn dann drohte nicht nur die militÀrische Niederwerfung, die Schleifung von Befestigungsanlagen und gegebenenfalls die Auslieferung der eigenen Flotte. Auch Versklavung und exemplarisch harte Bestrafung von Teilen der Bevölkerung sowie die Ansiedlung athenischer Kolonisten gleichsam als Kontrollbesatzung gehörten zu den Folgesanktionen, teils in Verbindung mit einem Umsturz des politischen Systems.
Hatten die athenischen Strategen fĂŒr die militĂ€rische Niederwerfung gesorgt, so rĂŒckten Archonten als Beamte mit militĂ€rischer Herrschaftsfunktion zur Stabilisierung der Lage nach. FĂŒr die Kontrolle ĂŒber die politischen VerhĂ€ltnisse im Besatzungsfall waren Phrourarchen zustĂ€ndig; und als vorĂŒbergehende Leiter des Gerichtswesens und der Verwaltung fungierten ebenfalls athenische Beamte, die Episkopoi.cite-ref-26[26]
Gezielt und im Sinne eines Herrschaftsprinzips betrieben die Athener die Vereinzelung der Bundesgenossen, indem sie sie sowohl bei der Eintreibung der Tribute als auch bei Rechtsstreitigkeiten stets einzeln sich vornahmen. Bestehende steuerliche oder staatliche ZusammenschlĂŒsse mancher Poleis wurden zu diesem Zweck von ihnen aufgelöst oder zerschlagen.cite-ref-schuller72-21-1[21]
Als demĂŒtigend beschreibt ein AnhĂ€nger der vordemokratischen Gesellschaftsstrukturen Athens den Auftritt eines vor die attischen Gerichte zitierten Bundesgenossen, der dort gezwungen sei, âschön zu tun in der Erkenntnis, daĂ er nach Athen kommen muĂ, um BuĂe zu geben und zu nehmen [âŠ]; und er ist gezwungen, in den Gerichtshöfen sich auf die Knie zu werfen und, sowie einer eintritt, ihn bei der Hand zu fassen. Deshalb also stehen die BĂŒndner eher als Knechte des Volkes von Athen da.âcite-ref-27[27]
Kam es mit dem Abfall und der militĂ€rischen Niederwerfung einer BĂŒndner-Polis zum ĂuĂersten, so waren die mit der nachfolgenden Unterwerfung verbundenen Vorkehrungen sowohl einschneidend als auch demĂŒtigend, wie das folgende Beispiel eines den BĂŒrgern Kolophons nach einem Aufstand abgepressten Treueids zeigt:cite-ref-28[28]
âIch werde so viel Gutes, wie ich nur irgend kann, in Bezug auf das Volk der Athener und seine Bundesgenossen tun und sagen und planen, und ich werde weder in Worten noch in Taten vom Volk der Athener abfallen, nicht aus eigenem Antrieb und auch nicht auf fremdes GeheiĂ. Und ich werde das Volk der Athener lieben und nicht von ihm ablassen. Und ich werde die Demokratie in Kolophon nicht zerstören, weder aus eigenem Antrieb noch auf fremdes GeheiĂ, nicht dadurch, daĂ ich dort RĂ€nke spinne. Ich werde dies alles meinem Eid gemÀà vollbringenâŠâ
Aus dem in freier Entscheidung der Beteiligten und im Zeichen der Gleichberechtigung gegrĂŒndeten Bund war die straff organisierte Herrschaft Athens geworden, das attische Seereich.
âDie GrĂŒnde zum Abfall waren mancherlei, hauptsĂ€chlich rĂŒckstĂ€ndige BeitrĂ€ge und Schiffe, in manchen FĂ€llen auch Verweigerung der Heeresfolge; denn die Athener trieben die Summen streng ein, und mit HĂ€rte brauchten sie jeden Zwang gegen die StĂ€dte, die nicht die Gewohnheit noch auch den Willen zum beschwerlichen Dienst hatten. Auch sonst waren wohl die Athener nicht mehr ebenso beliebt als Herrscher; sie waren nicht mehr KriegsgefĂ€hrten gleichen Ranges und hatten es leicht, die AbtrĂŒnnigen zurĂŒckzuholen â das war der VerbĂŒndeten eigne Schuld: denn in ihrem Widerwillen gegen den Felddienst hatten die meisten von ihnen, um nicht von daheim fern sein zu mĂŒssen, statt Schiffen sich das entsprechende Betreffnis in Geld auferlegen lassen, und so vergröĂerten sie den Athenern die Flotte, indem sie die Kosten dafĂŒr zusammensteuerten, und sie selbst, sooft sie abfielen, begannen den Krieg ungerĂŒstet und unerfahren.cite-ref-29[29]â
Als Mytilene (zusammen mit fast dem gesamten ĂŒbrigen Lesbos) von Athen abfiel, begrĂŒndeten die Gesandten den Abfall vor den Spartanern wie folgt:
âUnser BĂŒndnis mit Athen begann, als ihr euch aus dem Persischen Krieg zurĂŒckzoget und sie im Feld ausharrten, um zu tun, was noch zu tun ĂŒbrig war. Doch schlossen wir dies BĂŒndnis nicht zur Unterwerfung der Hellenen unter Athen, sondern zur Befreiung von den Persern fĂŒr Hellas. Und solang sie unsere gleichgestellten FĂŒhrer waren, folgten wir in guten Treuen; als wir sie aber den Kampf mit Persien aufgeben und dafĂŒr die Knechtung der VerbĂŒndeten betreiben sahen, begannen wir uns zu fĂŒrchten. Wehrlos in ihrer VielspĂ€ltigkeit, wurden nun einer um den andern die VerbĂŒndeten zu Untertanen Athens, auĂer uns und Chios: nur wir leisteten unsere Waffenhilfe völlig selbststĂ€ndig und frei, dem Namen nach.cite-ref-30[30]â
Die Rolle der Demokratie beim Herrschaftsausbau
Athens Machtentfaltung als Hegemon im Seebund und als griechische GroĂmacht war gekoppelt mit dem politisch-gesellschaftlichen Wandel zur entwickelten attischen Demokratie. Die Reformen des Ephialtes von 461 v. Chr. haben der Demokratie den Weg geebnet und damit auch der politischen Mitwirkung einer besitzlosen Klasse von BĂŒrgern, der Theten, die als Lohnarbeiter in Landwirtschaft und Gewerbe oder â seit Beginn der athenischen FlottenrĂŒstung zunehmend â als Ruderer auf den Trieren ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie hatten deshalb ein starkes gemeinsames Interesse an einer unanfechtbaren und ausgedehnten athenischen Seeherrschaft als eigene Existenzgrundlage. Daher war der Seebund fĂŒr Attika nicht nur militĂ€risch von Nutzen und auch nicht nur fĂŒr Wirtschaft und Handel förderlich; er hatte in den Theten auch eine durch die demokratische Entwicklung zunehmend politisierte gesellschaftliche Basis, die seinen Ausbau zum reinen Herrschaftsinstrument Athens vorantrieb.cite-ref-31[31]
Die attische Demokratie beeinflusste somit maĂgeblich die Organisationsstruktur des Seebunds. Doch auch den Export ihrer Staatsform machten die Athener zu einem Herrschaftsmittel. Die demokratische Verfassung wurde abgefallenen BĂŒndnern â wie im Falle Kolophons â im Zuge der Folgesanktionen als fortan geltende politische Ordnung oft aufgezwungen. Den Boden dafĂŒr bereitete einerseits die drastische StrafmaĂnahme einer selektiven Dezimierung der aufstĂ€ndischen PolisbĂŒrgerschaft, andererseits die Etablierung athenischer Beamter fĂŒr eine Ăbergangszeit und die Ansiedlung attischer Theten, die das Athener Demokratiemodell dann in neuem Umfeld verankerten. Die Beseitigung von Oligarchien und die Errichtung von Demokratien diente recht erfolgreich der Schaffung gemeinsamer Interessen zwischen den breiten Volksschichten der BĂŒndner-Poleis und der Athener Volksversammlung, auch wenn die attische Vorherrschaft ansonsten auf wenig Gegenliebe stieĂ.cite-ref-32[32] Am Beispiel von Samos belegt Schuller den Zusammenhang von Verfassungstyp und BĂŒndnistreue:cite-ref-33[33]
âDas demokratische Samos war in der schwierigen Zeit des Fehlschlagens der Ăgyptischen Expedition ein treuer Bundesgenosse Athens; nach dem oligarchischen Umsturz 453 setzte es sich immer mehr in Gegensatz zu ihm, bis es abfiel. SelbstverstĂ€ndlich war dann Periklesâ sofortige MaĂnahme nach der Wiedereroberung die Wiederherstellung der Demokratie [âŠ] Nachdem dann, offenbar aufgrund der sizilischen Katastrophe, den oligarchischen Exilierten gegen 412 die erneute MachtĂŒbernahme gelang, glĂŒckte ein alsbald mit athenischer Hilfe gegen sie ins Werk gesetzter demokratischer Aufstand, aufgrund dessen das demokratische Samos sich in der Folgezeit als das treueste Bundesmitglied selbst in schwĂ€rzesten Tagen erwies und daher 405 mit der Verleihung des athenischen BĂŒrgerrechts belohnt wurde.â
Zuspitzung im Peloponnesischen Krieg
Wichtiger Mitgestalter und fĂŒhrender ReprĂ€sentant der attischen Demokratie sowie maĂgeblicher Sachwalter der Seebundinteressen Athens war von Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. bis in die AnfĂ€nge des Peloponnesischen Krieges der ĂŒber lange Zeit alljĂ€hrlich in das Strategenamt gewĂ€hlte Perikles. Mit seinem Wirken war das vielgerĂŒhmte Bauprogramm auf der Athener Akropolis verbunden, das Athen â weithin sichtbar und anziehend â auch in kĂŒnstlerischer und kultureller Hinsicht zum Zentrum Griechenlands machen sollte. Perikles war es schlieĂlich auch, der seinen MitbĂŒrgern riet, die sich anbahnende Auseinandersetzung mit der rivalisierenden GroĂmacht Sparta nicht zu umgehen, weil er sie fĂŒr unvermeidlich hielt, und der mit eigenem Kriegsplan dafĂŒr die Weichen stellte.
GemÀà dem Zeugnis seines Athener Zeitgenossen, des Historikers Thukydides, war Perikles kraft seiner persönlichen AutoritĂ€t und Rednergabe aber auch derjenige, der ĂŒberschieĂende Machtbegehrlichkeiten seiner MitbĂŒrger zu zĂŒgeln wusste und bezĂŒglich der Ausweitung des Seereichs vor einer Ăberspannung der KrĂ€fte warnte.cite-ref-34[34] Nach seinem Tode 429 v. Chr. wurden solche Bedenken angesichts einer zunehmenden Verrohung des Kriegsgeschehens ĂŒber Bord geworfen. Man gewöhnte sich an Massenhinrichtungen und die Missachtung religiöser, völkerrechtsĂ€hnlicher Regeln, die bei frĂŒheren Kriegshandlungen noch berĂŒcksichtigt worden waren.cite-ref-35[35] Ăhnliches bahnte sich nun auch in der Art an, wie Athen widerstĂ€ndige Bundesgenossen behandelte.
Der gescheiterte Aufstand auf Lesbos
Thukydidesâ ausfĂŒhrliche Darstellung der VorgĂ€nge, die den Abfall Mytilenes, der wichtigsten Polis auf Lesbos, und die Reaktion der Athener darauf bestimmten, zeigt das eindrucksvoll.cite-ref-36[36] Die der athenischen Vorherrschaft weitgehend ĂŒberdrĂŒssigen Bewohner von Lesbos, dem neben Chios letzten BĂŒndner, der noch mit eigenen Schiffen die attische Flotte im Seebund unterstĂŒtzte, nutzten den seit Beginn des Archidamischen Krieges jĂ€hrlichen Einfall Spartas in Attika 427 v. Chr. zur Loslösung vom Seebund. Trotz eigener BedrĂ€ngnis beantworteten die Athener bereits Mytilenes Vorbereitungen zum Abfall mit der Aussendung einer Belagerungsflotte, die die Lesbier zur Unterwerfung zwingen sollte. Im Gegenzug erreichten aber mytilenische Gesandte in Olympia die Aufnahme ihrer Polis in den Peloponnesischen Bund und die Zusage, dass eine lakedaimonische Flotte die athenischen Belagerer von Lesbos angreifen wĂŒrde. Noch bevor die 40 peloponnesischen Schiffe eintrafen, war aber Mytilene in die Hand des athenischen Strategen Paches gefallen, weil die von den FĂŒhrern der Aufstandsbewegung gegen Athen unterdessen mit Waffen ausgerĂŒsteten einfachen mytilenischen BĂŒrger nicht gegen die Athener kĂ€mpfen mochten und stattdessen die Kapitulation und Auslieferung der Stadt an Paches erzwangen. Mehr als 1000 Hauptbetreiber des mytilenischen Abfalls vom Seebund lieĂ Paches zur Aburteilung durch die Volksversammlung nach Athen verbringen.
Unter dem Einfluss des Kleon, fĂŒr Thukydides der gewalttĂ€tigste Mann der Stadt, beschloss die Ekklesia nicht nur die Exekution sĂ€mtlicher von Paches zugestellten AufstĂ€ndischer, sondern die Tötung der gesamten mĂ€nnlichen BĂŒrgerschaft Mytilenes und die Versklavung aller Frauen und Kinder. Eine Triere wurde ausgesandt, Paches auf Lesbos zur DurchfĂŒhrung dieses Beschlusses aufzufordern. Vielen lieĂ diese Entscheidung jedoch keine Ruhe, und sie erreichten eine nochmalige Beratung der Sache am Folgetag. Kleon erneuerte sein PlĂ€doyer fĂŒr maximale HĂ€rte: Welche Polis werde noch vor Verrat zurĂŒckschrecken, wenn im Erfolgsfall die Freiheit winke und bei einem Fehlschlag nichts GrundstĂŒrzendes drohe? Zur Abschreckung mĂŒsse man töten:cite-ref-37[37]
âSo straft sie, wie sie es verdient haben, und stellt fĂŒr die anderen VerbĂŒndeten ein klares Beispiel auf, daĂ auf Abfall Tod steht. Wenn sie das merken, so könnt ihr euch wieder besser euren Feinden widmen, statt mit den eigenen VerbĂŒndeten zu kĂ€mpfen.â
In seiner Gegenrede vor der Volksversammlung betonte Diodotos, dass auch hĂ€rtere Strafen die Bereitschaft, aus Armut oder Machtgier Unrecht zu tun, nicht aus der Welt schaffen könnten. Es verletze zudem Athens eigene Interessen, abgefallenen BĂŒndnern jede Hoffnung und die Chance der Wiedergutmachung zu nehmen, wenn sie â aus Einsicht in die Aussichtslosigkeit ihres Aufstands â sich zu ergeben eigentlich bereit seien. Ihr Widerstand werde nur noch unerbittlicher, Athen aber trage den Schaden davon: erhöhter militĂ€rischer Aufwand bei der Niederwerfung der AbtrĂŒnnigen, danach komplett zerstörte StĂ€dte und langfristige BeitragsausfĂ€lle fĂŒr die Seebund-Vormacht. Statt ein freies Volk nach dem Abfall unmĂ€Ăig zu zĂŒchtigen, empfahl Diodotos, es vorher scharf zu beobachten und einer Absetzbewegung vorzubeugen, und fĂŒgte hinzu:cite-ref-38[38]
âNoch eins mĂŒsst ihr erwĂ€gen, warum es so falsch wĂ€re, Kleon zu folgen: jetzt ist in allen StĂ€dten das Volk fĂŒr Euch und macht entweder nicht mit, wenn die Adligen abfallen, oder es ist den Anstiftern des Abfalls, wenn sie es zwingen, von Anfang an feind; wenn ihr zum Krieg auszieht, habt ihr in jeder gegnerischen Stadt die Masse zum VerbĂŒndeten. Vernichtet ihr aber das Volk von Mytilene, das gar keinen Teil hatte am Abfall und, sobald es Waffen in die Hand bekam, euch willig die Stadt ĂŒbergab, so wĂ€re erstens dieser Mord an euren Freunden ein Frevel, zweitens wĂŒrdet ihr mit diesem Beispiel den Vermögenden in aller Welt den gröĂten Gefallen tun. Denn sooft sie eine Stadt euch abwendig machen, werden sie alsbald das Volk auf ihrer Seite haben: ihr habt ja gezeigt, daĂ bei euch die gleiche Strafe die Fehlbaren bedroht wie die Unschuldigen.â
Mit knapper Mehrheit Ă€nderte dann die Volksversammlung den Beschluss vom Vortag. Zwar wurden die von Paches ĂŒberstellten etwas ĂŒber 1000 Hauptschuldigen der Erhebung gegen Athen auf Kleons Antrag getötet, Mytilenes Befestigungen geschleift und seine Schiffe von den Athenern ĂŒbernommen. Die bereits angesetzte Aktion zur Massenhinrichtung und Versklavung der Gesamtbevölkerung Mytilenes konnte aber noch verhindert werden: Eine zweite Triere erreichte Lesbos gerade noch rechtzeitig und konnte den geĂ€nderten Beschluss ĂŒbermitteln. Die Ruderer waren mit speziellen Anreizen zur Höchstleistung angespornt worden, um den RĂŒckstand zur ersten Triere zu verringern.
Die Zwangseinverleibung von Melos
Eine nachhaltige Kurskorrektur zugunsten einer zurĂŒckhaltenderen Machtpolitik Athens war damit jedoch nicht verbunden. Etwa ein Jahrzehnt spĂ€ter fand ein von Thukydides ebenfalls grĂŒndlich erfasster Ăbergriff Athens auf die Bewohner von Melos statt, das bis dahin im Peloponnesischen Krieg eine neutrale Position als kleine Insel inmitten der ĂgĂ€is behauptet hatte. In einer als LehrstĂŒck zynischer Machtpolitik berĂŒhmt gewordenen Auseinandersetzung, dem Melierdialog des Thukydides, forderten die Athener ultimativ den Beitritt der Melier zum Attischen Seebund. Rechtliche RĂŒcksichten seien nur bei gleichen KrĂ€fteverhĂ€ltnissen der Kontrahenten von Bedeutung; ansonsten gelte das Recht des StĂ€rkeren zu gröĂtmöglicher Herrschaft ĂŒber den SchwĂ€cheren. Der Hass der Unterworfenen unterstreiche die StĂ€rke der Vormacht. Als SchwĂ€che wĂŒrde es Athen dagegen ausgelegt, wenn es Melos mit seiner Lage innerhalb der vom Seebund beherrschten ĂgĂ€is die EigenstĂ€ndigkeit belieĂe. Die Melier neigten trotz realpolitischer NeutralitĂ€t eher Sparta zu. Sie verstanden sich wie die Spartaner als Dorier und verfĂŒgten ĂŒber einen GrĂŒndungsmythos, der besagte, Melos sei von Sparta aus besiedelt worden.
Der athenischen Belagerung konnten die Melier nicht standhalten, zumal die erhoffte UnterstĂŒtzung durch Sparta ausblieb. Nachdem sie sich der Ăbermacht ergeben hatten, erlitten sie gerade das Schicksal, das der BĂŒrgerschaft Mytilenes im letzten Moment erspart geblieben war. Christian Meier resĂŒmiert:cite-ref-39[39]
âDie GroĂmacht schlug zu mit keiner anderen BegrĂŒndung, als weil sie es so wollte. Sie fĂŒhlte sich stark, nur eben nicht stark genug, um die NeutralitĂ€t der kleinen Insel, 161 Quadratkilometer groĂ und mit einer Bevölkerung von vielleicht 1500 MĂ€nnern, zu ertragen. Den HaĂ, den Perikles einst bedauernd in Kauf genommen hatte, hielt sie geradezu fĂŒr notwendig, fĂŒr erwĂŒnscht.â
Das Ende der GroĂmachtstellung Athens
Bis in die Endphase des Peloponnesischen Krieges hielt Athen die Herrschaft ĂŒber den Seebund mit harter Hand aufrecht, auch nachdem es in den Jahren 412 und 411 v. Chr. â zeitgleich mit einem oligarchischen Umsturz in Athen â zu massiven Abfallbewegungen der Bundesgenossen und zu Auflösungstendenzen gekommen war. Erst 405/404 v. Chr. wurde die Lage der Athener aussichtslos, als es den Spartanern gelang, die athenische Seeherrschaft zu beenden. Athen war nun selbst eine belagerte Stadt und von der Versorgung zur See abgeschnitten. Dadurch wuchs die Furcht der Athener, es könne ihnen Ăhnliches bevorstehen wie das, was sie den Meliern angetan hatten.
Die Spartaner brauchten allerdings das geschwĂ€chte Athen noch als Gegengewicht zu dem erstarkten Theben, zudem erinnerte man sich an die Verdienste Athens in den Perserkriegen. So kamen die Athener mit den schlieĂlich ausgehandelten Friedensbedingungen noch glimpflich davon: Auf ihre Seemacht mussten sie dauerhaft verzichten, lediglich zwölf Schiffe durften sie behalten. Die Langen Mauern und die Befestigungsanlagen des PirĂ€us waren zu schleifen. Athen wurde â mit oligarchischer Verfassung â erzwungenermaĂen Mitglied des Peloponnesischen Bundes unter FĂŒhrung Spartas.cite-ref-40[40]
Der Zweite Attische Seebund
FĂŒr gut ein Vierteljahrhundert mussten die Athener sich in die spartanische Vormachtstellung schicken, ergriffen dann aber die Gelegenheit zur NeugrĂŒndung eines Seebunds, als die Lakedaimonier militĂ€risch anderweitig gebunden und geschwĂ€cht waren.
Motive und Organisationsstrukturen
Als es 379 v. Chr. thebanischen Demokraten gelang, die spartanische Besatzung der Stadt abzuschĂŒtteln und in der Folge fĂŒr die staatliche Einigung ganz Boiotiens unter demokratischen Bedingungen zu sorgen, bot sich auch fĂŒr Athen die Gelegenheit, sich aus der Einengung durch Sparta zu befreien und 378/377 v. Chr., gerade 100 Jahre nach der ErstgrĂŒndung, den Zweiten Attischen Seebund zu errichten. MaĂgebliches Motiv war also diesmal die Beseitigung der spartanischen Vormachtstellung, wĂ€hrend man in Bezug auf Persiencite-ref-41[41] betont auf Interessenausgleich setzte.cite-ref-42[42]
âDer gemeinsame Anspruch, auf den sich Athen mit seinen Bundesgenossen verstĂ€ndigen konnte, hatte aber nicht fĂŒr alle Mitglieder des Bundes genau die gleiche Bedeutung. Die GroĂmacht Athen, der anerkannte Hegemon des Bundes, strebte an, mit Hilfe seiner VerbĂŒndeten eine der spartanischen mindestens ebenbĂŒrtige Machtstellung zu erlangen, indem vor allem die Seeherrschaft wieder errungen werden sollte. [âŠ] Die Bundesgenossen Athens muĂten sich aufgrund ihres viel geringeren Machtpotentials auf das Ziel beschrĂ€nken, mit Hilfe Athens ihre Autonomie zu bewahren, zunĂ€chst und vor allem gegen spartanische Ăbergriffe. Aber einen gröĂeren Zulauf zu dem neugegrĂŒndeten Seebund erreichte Athen erst, nachdem es â in dem von Aristoteles verfaĂten Aufruf â der antispartanischen Propaganda auch Garantien fĂŒr Freiheit und Autonomie der VerbĂŒndeten hinzugefĂŒgt hatte.â
Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung blieb der Zweite Attische Seebund mit ca. 70 Mitgliedern im Umfang noch erheblich gegenĂŒber seinem VorlĂ€ufer zurĂŒck. Das neue, in Athen tagende Synhedrion sah fĂŒr die Bundesgenossen wieder je eine Stimme vor. Ein Beschluss dieser Vertretung bedurfte aber zu seiner GĂŒltigkeit der Zustimmung der athenischen Volksversammlungcite-ref-43[43]; statt des Nacheinanders beider Einrichtungen als Entscheidungsorgane, wie zu Zeiten des Ersten Attischen Seebunds gehabt, gab es nun also ein Neben- und Miteinander.
Die BĂŒndnerbeitrĂ€ge, vordem als Phoroi bezeichnet, hieĂen nun SyntĂĄxeis und waren durchgĂ€ngig als Geldzahlungen zu leisten. Beitragssenkungen fĂŒr die einzelnen Bundesgenossen konnte die athenische Volksversammlung ohne Beteiligung des Synhedrions beschlieĂen, weil die BeitragsausfĂ€lle nur den Athenern zur Last fielen und die ĂŒbrigen BĂŒndner nicht berĂŒhrten. Beitragsfrei gestellt war lediglich das GrĂŒndungsmitglied Theben wegen seines Engagements im Landkrieg gegen die Lakedaimonier.cite-ref-44[44]
Die verÀnderte Rolle Athens
Der Beitrittsaufruf der athenischen Volksversammlung von 377 v. Chr. lieĂ erkennen, dass Athen das Herrschaftssystem der zweiten HĂ€lfte des 5. Jahrhunderts vergessen zu machen bemĂŒht war: Den Bundesgenossen wurden volle Autonomie, freie Wahl der Verfassung sowie Freiheit von Besatzung und athenischen Aufsichtsbeamten zugesichert. Bodenbesitz von Athenern auf dem Territorium der BĂŒndner sollte es nicht mehr geben.cite-ref-45[45]
Die BĂŒndner-Poleis waren nicht gehindert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten eigene Flotten zu unterhalten, verpflichteten sich aber zu keinerlei Hilfen bei den militĂ€rischen Operationen, die die Athener in Angelegenheiten des Bundes durchfĂŒhrten.cite-ref-46[46] Die Ăberstellung der GeldbeitrĂ€ge fĂŒr den Bund nach Athen oblag gewöhnlich den Bundesgenossen selbst. Bei ZahlungsrĂŒckstĂ€nden dĂŒrfte Athen spezielle Geldeinzieher ausgesandt haben. âNicht selten wurden auch den athenischen Strategen, die einen Feldzug leiteten, die BeitrĂ€ge einzelner Poleis zur Einziehung und sofortigen Verwendung zugewiesen.âcite-ref-47[47] Anders als im Falle der Tributzahlungen zur Zeit des attischen Seereichs im 5. Jahrhundert sind die BeitrĂ€ge zum Zweiten Attischen Seebund anhand von Quellen kaum zu ermitteln. Da die Bundesgenossen aber neben diesen Abgaben auch noch eigene Kriegsschiffe finanzierten, dĂŒrften diese vom Synhedrion bewilligten SyntĂĄxeis keine ĂŒbermĂ€Ăige Belastung dargestellt haben.cite-ref-dreher280-48-0[48]
Dass die militĂ€rischen Operationen ohne jede Beteiligung von Schiffen der Bundesgenossen durchgefĂŒhrt wurden, hatte fĂŒr Athens Strategen den Vorteil der vereinfachten Organisation und des einheitlichen Kommandos. DafĂŒr verblieben aber auch alle Risiken militĂ€rischer und finanzieller Art allein bei Athen. Die auf den vermögenden BĂŒrgern lastenden Verpflichtungen, fĂŒr Bau und Einsatzkosten der Trieren aufzukommen (die mit der Trierarchie verbundenen Leiturgien), konnten in diesem Organisationsrahmen vor allem dann unangenehm drĂŒckend werden, wenn die Kriegskosten in Zeiten erhöhter Spannungen oder offener Konfrontation anstiegen. Denn die Bundesgenossen-BeitrĂ€ge waren ein Fixum; von Sonderumlagen auf die VerbĂŒndeten oder von erhöhten SyntĂĄxeis ist nichts bekannt.cite-ref-dreher280-48-1[48]
Neue Machtexpansion
Mit einem Sieg ĂŒber die peloponnesische Flotte im Sund zwischen Paros und Naxos gelang den Athenern noch einmal die Erringung der Seeherrschaft in der ĂgĂ€is. 375 v. Chr. fand in Sparta ein von Lakedaimoniern und Athenern gemeinsam erstrebter Friedenskongress statt, auf dem ein, wenn auch kurzlebiger, panhellenischer Frieden geschlossen wurde. Nach zwischenzeitlichen Spannungen 371 v. Chr. noch einmal erneuert, war er aber wegen der kriegerischen Konfrontation Thebens unter Epameinondas mit Sparta rasch hinfĂ€llig. In der Schlacht bei Leuktra erlitt das spartanische Heer hohe Verluste, die Spartas Ende als militĂ€rische GroĂmacht in Griechenland herbeifĂŒhrten und Theben fĂŒr das Folgejahrzehnt die Vormachtstellung verschafften.cite-ref-49[49]
Athen strebte nun erneut danach, seine Seeherrschaft in der ĂgĂ€is auszubauen, vor allem im Norden und im Osten. 387 v. Chr. war Samos an Persien gefallen. Dies wurde 365 v. Chr. unter dem Strategen Timotheos in einer Weise korrigiert, die an die Praktiken auf der Höhe des attischen Seereichs erinnerte: Nicht nur die persische Besatzung der Insel, sondern auch die Samier selbst wurden vertrieben und an ihrer Stelle nach und nach mehrere tausend attische Kleruchen angesiedelt.cite-ref-50[50] Der Zweite Attische Seebund stand vor einer Neuausrichtung:cite-ref-51[51]
âDie StraĂe der Bundespolitik hatte Athen lĂ€ngst verlassen; es trĂ€umte von einem neuen attischen Seereich, dessen Aufstieg durch chaotische ZustĂ€nde in Griechenland und vor allem durch die LĂ€hmung der persischen Initiative begĂŒnstigt zu werden schien.â
SchwÀchung im Bundesgenossenkrieg
Unter dem Eindruck der wechselseitigen SchwĂ€chung Spartas und Thebens mochte Athen mit dem Seebund neuerlich GroĂmachtambitionen hegen. Diesem Ziel stellte sich aber seit 359 v. Chr. der Aufstieg Makedoniens unter Philipp II. entgegen. Die dadurch geschwĂ€chte Stellung Athens in der nördlichen ĂgĂ€is ermutigte die stĂ€rkeren Seebundmitglieder zur Loslösung vom Attischen Seebund: Chios, Rhodos, Byzanz und Kos schlossen sich zu einer gesonderten Konföderation gegen Athen zusammen. Im sogenannten Bundesgenossenkrieg gelang es den Athenern nicht, die Abspaltung rĂŒckgĂ€ngig zu machen, so dass sie mit dem Friedensschluss 355 v. Chr. eine erhebliche MachteinbuĂe hinzunehmen hatten.cite-ref-52[52]
Das Ende im Zeichen makedonischer Machtentfaltung
Nachdem auch Lesbos und Kerkyra den Seebund verlassen hatten, blieb Athen in der Folge zwar immer noch die Schutz- und Vormacht einer Vielzahl von BĂŒndnern; ein auf Machtzuwachs angelegtes Instrument stellte der Bund aber nicht mehr dar. Vielmehr verlor er unter dem Einfluss der makedonischen Machtexpansion noch weitere Mitglieder, ohne jedoch gĂ€nzlich bedeutungslos zu werden. Die geschrumpften Einnahmen aus den BĂŒndnerbeitrĂ€gen blieben fĂŒr Athens Finanzhaushalt ein wichtiger Posten. Und im AuĂenverhĂ€ltnis war die auf den Bund gegrĂŒndete Seemacht Athens noch 340 v. Chr. auch fĂŒr Philipp II. eine bedeutende EinflussgröĂe in der ĂgĂ€is.cite-ref-53[53]
In Mittelgriechenland hatte auf phokischem Boden bereits seit 346 v. Chr. eine makedonische Besatzungsmacht FuĂ gefasst. Philipp II. baute diese strategische Position weiter aus, indem er sich zudem Sitz und Einfluss in der delphischen Amphiktyonie verschaffte. WĂ€hrend Demosthenes in Athen in den 40er Jahren den Widerstand gegen Philipp II. propagierte, gab es mit Isokrates einen Gegenspieler, der die Griechen hinter dem Makedonenherrscher im Sinne einer antipersischen Mission zu einen suchte.cite-ref-54[54] Bis zur entscheidenden Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. behielt Demosthenes mit seiner antimakedonischen Agitation in Athen die Oberhand. Durch die Niederlage der ebenfalls von Demosthenes geschmiedeten Koalition, die neben Athenern und Boiotiern unter anderem auch Teile der Peloponnesier gegen Philipp II. in Stellung brachte, verlor Athen die UnabhĂ€ngigkeit und wurde fĂŒr die Folgezeit in ein BĂŒndnis mit Makedonien genötigt. Damit zugleich verfiel auch der Zweite Attische Seebund 338 v. Chr. der Auflösung von auĂen.
Siehe auch
Quellen
âą Urkunde des 2. Attischen Seebundes. Athen 377 v. Chr. In: Gerhard Pfohl (Hrsg.): Griechische Inschriften als Zeugnisse des privaten und öffentlichen Lebens. Griechisch-deutsch. 2. Auflage. Heimeran, TĂŒbingen 1980, ISBN 3-7765-2032-9.
Literatur
âą J. Cargill: The Second Athenian League. Empire or free alliance?. University of California Press, Berkeley u. a. 1981, ISBN 0-520-04069-4.
âą G. L. Cawkwell: The foundation of the Second Athenian Confederacy. In: The Classical Quarterly. N. S. 23 = 67, 1973, ISSN 0009-8388 S. 47â60.
âą Martin Dreher: Hegemon und Symmachoi. Untersuchungen zum Zweiten Athenischen Seebund. de Gruyter, Berlin â New York 1995. ISBN 3-11-014444-1, (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte. 46) (Zugl.: Konstanz, Univ., Habil.-Schr., 1991/92).
âą Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Vom Autor durchgesehene und erweiterte Taschenbuchausgabe. Goldmann, MĂŒnchen 1995. ISBN 3-442-12852-8.
âą Russell Meiggs: The Athenian empire. Repr., with corr. Clarendon Press, Oxford u. a. 1979, ISBN 0-19-814843-7 (detaillierte Darstellung des attischen Seereiches).
âą Wolfgang Schuller: Die Herrschaft der Athener im Ersten Attischen Seebund. de Gruyter, Berlin â New York 1974. ISBN 3-11-004725-X (zugleich Habilitationsschrift, Freie UniversitĂ€t Berlin 1971).
âą Bernhard Smarczyk: Untersuchungen zur Religionspolitik und politischen Propaganda Athens im Delisch-Attischen Seebund (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt. Band 5). tuduv, MĂŒnchen 1990, ISBN 3-88073-346-5.
Weblinks
âą Ian Morris: The Athenian Empire PDF; 144 kB.
âą Jona Lendering: Delian League. In: Livius.org (englisch)
Anmerkungen
cite-note-11. â Christian Meier hat diese Schlacht als das Nadelöhr bezeichnet, âdurch das die Weltgeschichte hindurch muĂte, wenn in ihr statt groĂer, monarchisch regierter Reiche jenes eigenartige, vom Osten her exotisch anmutende Volk eine entscheidende Rolle spielen sollte, das in lauter kleinen selbstĂ€ndigen StĂ€dten, fast ĂŒberall ohne Monarchen und vielfach schon bei weitgehender politischer Mitsprache breiter politischer Schichten lebte.â (Meier, Athen (1995) S. 33)
cite-note-22. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 56.
cite-note-33. â So weist Kagan darauf hin, dass die aus der heutigen Ukraine ĂŒber das Schwarze Meer nach Athen verfrachteten Getreideimporte, die zur Versorgung der Athener wesentlich beitrugen, von den Persern bereits durch einen begrenzten Kriegszug, der Bosporus und Dardanellen in ihre Hand brachte, mit fatalen Folgen fĂŒr Athen unterbrochen werden konnten. (Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 132)
cite-note-44. â Ulrich Sinn, âAthen. Geschichte und ArchĂ€ologie.â MĂŒnchen 2004, S. 35, der auĂerdem anmerkt, dass der auf den vordergrĂŒndigen Nutzeffekt gerichtete Umgang mit den natĂŒrlichen Ressourcen sich im 4. Jahrhundert rĂ€chte, als nicht nur die Bergbaueinnahmen versiegt waren, sondern ausgedehnte Schlackehalden mit Bleianteilen die Umwelt belasteten und die Gesundheit der Anwohner beeintrĂ€chtigten. âDer enorme Bedarf an Brennholz fĂŒr die Schmelzöfen fĂŒhrte ĂŒberdies zu einer radikalen Abholzung und damit zur Verödung weiter Landstriche.â (ebenda)
cite-note-55. â Schuller, S. 141.
cite-note-66. â Wörtlich: âDie Athener und ihre MitkĂ€mpferâ griechisch: hoi AthenaĂoi kai hoi sĂœmmachoi
cite-note-77. â Meier, Athen (1995) S. 297.
cite-note-88. â Schuller, S. 147, mit Berufung auf Thukydides 3, 10, 5.
cite-note-99. â Schuller, S. 146.
cite-note-1010. â Thukydides 1, 96.
cite-note-1111. â Meier, S. 297â298, der den Gegenwert fĂŒr die 460 Talente, bezogen auf Seebundangelegenheiten folgendermaĂen verdeutlicht: âDer Sold fĂŒr einen Ruderer war auf eine halbe Drachme festgesetzt. Bei circa 200 Mann Besatzung kostete die Löhnung pro Schiff und Tag rund 100 Drachmen, im Monat 3000, das war ein halbes Talent. Eine Flotte von hundert Schiffen hatte also, falls sie sechs Monate im Dienst war, Lohnkosten von 300 Talenten.â (S. 298)
cite-note-1212. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 56.
cite-note-1313. â Wolfgang Schuller: Die Herrschaft der Athener im Ersten Attischen Seebund. de Gruyter, Berlin â New York 1974, S. 146: Schuller verweist auf Bodenbesitz und EinkĂŒnfte als rationale Kriterien der Tributveranlagung.
cite-note-1414. â Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 133; Meier, Athen (1995) S. 297.
cite-note-1515. â Meier, Athen (1995) S. 418.
cite-note-1616. â Meier, Athen (1995) S. 394.
cite-note-1717. â Meier, Athen (1995) S. 394 f.
cite-note-1818. â Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 145.
cite-note-1919. â Schuller, S. 113.
cite-note-2020. â Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 135.
cite-note-schuller72-2121. â Schuller, S. 72f.
cite-note-2222. â Meier, Athen (1995) S. 395.
cite-note-2323. â Schuller, S. 118, dem zufolge die Seebundmitglieder auch in Bezug auf die Eleusinischen Mysterien einer von den Athenern erlassenen, verpflichtenden Sonderregelung unterzogen wurden.
cite-note-2424. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 65.
cite-note-2525. â Meier, Athen (1995) S. 417 f.
cite-note-2626. â Schuller, S. 40ff.
cite-note-2727. â Zitiert nach Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 142.
cite-note-2828. â Zitiert nach Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, S. 136. Kagan weist in einer FuĂnote darauf hin, dass es sich bei dem Text um die unvollstĂ€ndige Rekonstruktion eines Inschriftenfragments handelt.
cite-note-2929. â Thukydides 1, 99. Ăbersetzung nach Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Herausgegeben und ĂŒbersetzt von Georg Peter Landmann, dtv, MĂŒnchen 1973, ISBN 3-423-06019-0, S. 82â83.
cite-note-3030. â Thukydides 2, 10.
cite-note-3131. â Meier, Athen (1995) S. 336, 353; Schuller, S. 183ff., weist unter anderem darauf hin, dass Bau und Unterhalt der Flotte den Theten weitere Erwerbszweige und Verdienstmöglichkeiten erschlossen. âDaraus ergab sich notwendigerweise ein Interesse der durch diese Entwicklung BegĂŒnstigten an der Aufrechterhaltung und dem Ausbau dieses Zustandes, und da der Vorgang natĂŒrlich nicht rĂŒckgĂ€ngig zu machen war, ist also insofern eine im ökonomischen Bereich liegende objektive Triebkraft fĂŒr die Entstehung der athenischen Herrschaft festzustellen.â (S. 185)
cite-note-3232. â Schuller, S. 88ff.
cite-note-3333. â Schuller, S. 92.
cite-note-3434. â Thukydides 2. 65
cite-note-3535. â Bruno Bleckmann, Der Peloponnesische Krieg, MĂŒnchen 2007, S. 59.
cite-note-3636. â Thukydides 3, 2â18 und 3, 26â50.
cite-note-3737. â Thukydides 3, 40. Thukydides hat nach eigenem Bekunden die in seinem Werk zitierten Reden nicht wörtlich, sondern möglichst originalgetreu sinngemÀà wiedergegeben.
cite-note-3838. â Thukydides 3, 47.
cite-note-3939. â Meier, Athen (1995) S. 612.
cite-note-4040. â Bruno Bleckmann: Der Peloponnesische Krieg. MĂŒnchen 2007, S. 106.
cite-note-4141. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 81f.
cite-note-4242. â Das nachfolgende Zitat steht bei Dreher, S. 276.
cite-note-4343. â Hermann Bengtson, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis in die Römische Kaiserzeit. Sonderausgabe der 5. Auflage, MĂŒnchen 1979, S. 247f.
cite-note-4444. â Dreher, S. 88.
cite-note-4545. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 82.
cite-note-4646. â Dreher, S. 35ff.: âDa es Athen jeweils nur mit einem starken Gegner zu tun hatte, in den siebziger Jahren mit Sparta, im folgenden Jahrzehnt mit Theben, der jeweils selbst keine allzu bedeutende Flotte auszurĂŒsten vermochte, reichte die athenische FlottenkapazitĂ€t aus, neben der Sicherung der Getreideroute und einer gewissen BekĂ€mpfung der Piraterie auch die groĂen Seegefechte im wesentlichen allein zu bestreiten. [âŠ] Nicht zuletzt der Gesichtspunkt der EffektivitĂ€t, der fĂŒr die athenische Demokratie auch bei der Organisation ihrer eigenen politischen Institutionen eine wichtige Rolle spielte, mag Athen dazu bewogen haben, keine BĂŒndnisflotte aus Kontingenten einzelner Staaten zusammenzustellen, sondern die SeekriegsfĂŒhrung völlig in der eigenen Hand zu konzentrieren. Man hatte so ein einheitliches, hierarchisch strukturiertes Kommando schon vorgegeben, verlor keine Zeit durch das Zusammenziehen der einzelnen FlottenverbĂ€nde und konnte vor allem die Anwerbung der Söldner mit dem bei Athen konzentrierten Geld zentral durchfĂŒhren.â
cite-note-4747. â Dreher, S. 88.
cite-note-dreher280-4848. â Dreher, S. 280.
cite-note-4949. â Hermann Bengtson, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis in die Römische Kaiserzeit. Sonderausgabe der 5. Auflage, MĂŒnchen 1979, S. 251f.
cite-note-5050. â Detlef Lotze, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zum Hellenismus. Ăberarbeitete u. erweiterte 7. Auflage, MĂŒnchen 2007, S. 83.
cite-note-5151. â Hermann Bengtson, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis in die Römische Kaiserzeit. Sonderausgabe der 5. Auflage, MĂŒnchen 1979, S. 258.
cite-note-5353. â Dreher, S. 291.
cite-note-5454. â Hermann Bengtson, Griechische Geschichte. Von den AnfĂ€ngen bis in die Römische Kaiserzeit. Sonderausgabe der 5. Auflage, MĂŒnchen 1979, S. 292f.